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HISTORIE
Auszug Über die Geschichte der Köpenicker Straße 174 (aufgeschrieben 2002/03 von Jan Michael Leisse) Auf dem Gelände der Köpenicker Straße 174/173 wurde 1799 das Königliche Thorschreiberhaus errichtet. In der folgenden Zeit kam es zu mehreren Umbenennungen, so 1801 in Accise- Officiantenhaus, 1812 in Königliches Thor- Officiantenhaus und schließlich von 1846-59 in Königliches Steuergebäude. Jean Richard, der damalige Eigentümer des Grundstücks Köpenicker Straße 174 und Eisenbahn Straße 21, beauftragt um 1900 den Maurer und Zimmermeister Oscar Garbe mit einer Neubebauung des Grundstücks. Es entstanden zwei, für die damalige Zeit typische Vorderhäuser, mit jeweils einem Quergebäude und einem Seitenflügel. Sowohl die Fassaden als auch die Innenräume wurden mit üppigem, repräsentativem Stuck versehen. Die Eingangshalle der Köpenicker Straße 174, die heute unter Denkmalschutz steht, hat einen Sockel aus schwarzen Glasfliesen und ist ebenso mit repräsentativem Stuck versehen. Im gesamten Erdgeschoss der Köpenicker und im Erdgeschoss des Seitenflügels und des Quergebäudes der Eisenbahn Straße befand sich der Köpenicker Hof, ein Restaurant mit Tanzsaal, Kegelbahn (im Keller) und Chambres sèparee im Zwischengeschoss. Die Konzeption der Gaststätte zielte eindeutig auf die gehobene Gesellschaft. Die Innenräume, insbesondere das Restaurant und der Ballsaal wurden daher besonders prachtvoll gestaltet. Beide Räume wurden von einer in Stuck ausgeführten Kassettendecke überspannt und mit Holz vertäfelt. In den Vorderhäusern und Quergebäuden wurde pro Etage eine herrschaftliche Wohnung für die Offiziere der nahe gelegenen Kasernen gebaut. In den beiden Quergebäuden entstand im 1.OG ein Offizierskasino. Darüber wurden Räume für Kleingewerbe geschaffen. 1923 werden Karl Krause und dessen Ehefrau die neuen Betreiber des Köpenicker Hof und später auch die Besitzer sowohl der Köpenicker Straße 174 als auch der Eisenbahn Straße 21. Karl Krause ist zunächst viele Jahre Kellner im Köpenicker Hof und arbeitet sich letztendlich bis zum Restaurantbetreiber und Hausbesitzer hoch. Die Ortsgruppe Mariannenplatz der NSDAP zieht 1937 in die Köpenicker Straße 174. Im Köpenicker Hof veranstalten Goebbels und andere Nazigrö&ßen rauschende Feste. Aus 1947- 1949 Geschichtslandschaft Berlin Kreuzberg, erschienen im Nicolai Verlag: Gleich nach Kriegsende mietete Ernst Wolff die Räume der alten Gaststätte Köpenicker Hof an der Köpenicker Straße und betrieb dort für kurze Zeit die Florida Bar als Vergnügungslokal für amerikanische Soldaten, mit gediegenem Interieur und Oberkellnern im Frack; aber sowohl die deutsche als auch die amerikanische Kundschaft blieb aus. Die Festräume wurden auch für geschlossene Veranstaltungen vermietet. So fanden hier fast alle Familienfeste - Hochzeiten und Bar Mizwa - der wenigen nach Berlin zurückgekehrten oder dort gebliebenen Juden statt.